Welche Laufradgröße macht Sinn?

Drössiger Guide (Teil 1): Gerade im Mountainbike Bereich wurde die Branche in den letzten Jahren förmlich mit Neuheiten überflutet. So schön die Innovationen sind, so schwer wird es den Überblick zu bewahren. Viele Kunden fragen sich, welche Trends echte Vorteile mit sich bringen und welche Technologien als reine Marketing-Gags abgetan werden können. Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir häufig gestellte Fragen in unserem Drössiger Guide behandeln. So kannst du selbst für dich entscheiden, welches Rad am besten zu dir passt.

Im ersten Teil widmen wir uns der Frage, welche Laufradgröße wirklich Sinn macht. Während vor ein paar Jahren ausschließlich 26“ Mountainbikes über die Trails rollten, ist mittlerweile eine Vielzahl von verschiedenen Größen unterwegs. Die kleinen Räder sind nun mehr so gut wie ausgestorben und das Feld wird von 29“ Walzen und der Zwischengröße, 650B bzw. 27,5“, dominiert. Um es noch ein bisschen verwirrender zu machen, ermöglicht der neue Boost-Standard außerdem, dass Reifen im Plus Format verbaut werden können.

WARUM 26 ZOLL AUSGESTORBEN IST

Aber warum das Ganze? Natürlich drängt sich die Frage auf, ob die alteingesessenen 26“ Laufräder nicht vollkommen ausgereicht hätten. Schließlich wurden zig Rennen auf den kleinen Rädern entschieden. Die Idee hinter den umfangreicheren Laufrädern ist, dass die großen Schlappen deutlich leichter über Hindernisse und Unebenheiten hinweg rollen. Dadurch wird das Fahrrad merklich laufruhiger und die Fahreigenschaften verbessern sich in Hinsicht auf Stabilität und Sicherheit. Besonders im Hardtail Bereich sind 29er vollständig etabliert und man wird keinen Marathon- oder Cross Country-Fahrer sehen, der sich noch auf kleineren Laufrädern durch das Gelände quält. Das hat nicht nur damit zu tun, dass 29“ Laufräder auch deutlich mehr Schläge absorbieren und damit gerade Hardtail-Fahrern mehr Komfort bieten. Vielmehr geht es hier auch um Geschwindigkeit. Sind die großen Reifen einmal in Bewegung, hält sie so schnell nichts mehr auf. Federleicht geht es über Wurzelteppiche und ruppige Steinfelder - ohne auch nur einen Deut an Tempo einzubüßen.

29 ZOLL VS. 650B

Wer einmal auf einem 29er gesessen hat, wird die Vorteile kaum abstreiten können. Trotzdem drängt sich die Frage auf, warum es zusätzlich noch eine Zwischengröße gibt. Laufräder im 650B (auch 27,5“) Format erfreuen sich besonders bei Enduro- und Downhill-Fahrern größter Beliebtheit, da sie versprechen, die Vorteile der größeren Laufräder zu bieten, ohne deren Nachteile mit sich zu ziehen. Die angenehme Laufruhe der 29er ist mit einem größeren Radstand gepaart, welcher spätestens in der nächsten Spitzkehre seinen Tribut zollt. Im Gegensatz dazu lassen sich 650B Räder extrem wendig und agil über die Trails bewegen, wenn auch weniger verzeihend als ein 29“ Rad. Wie so oft entscheiden hier der persönliche Geschmack und das bevorzugte Einsatzgebiet. Besonders Einsteiger profitieren von den Eigenschaften der 29“ Laufräder, da die Räder durch mehr Umfang auch mehr Sicherheit vermitteln. Versierte Fahrer erfreuen sich an den großen Schlappen, da sie in Sachen Geschwindigkeit ungeschlagen sind. Wer es verspielt mag und jede Wurzel als Sprungschanze nutzt, der wird sich auf 650B Laufrädern am wohlsten fühlen.

DER NEUE BOOST-STANDARD

Um das Chaos perfekt zu machen, wurde die Mountainbike Branche von einem neuen Einbaustandard für Naben heimgesucht. So wird am Hinterbau um 6mm Breite (auf 12x148) und vorne um satte 10mm (auf 15x110) aufgerüstet. Die zusätzlichen Millimeter werden genutzt, um den Nabenflansch zu verbreitern, wodurch Boost-Laufrä- der deutlich steifer und damit stabiler sind. Die Verbreiterung durch den Boost-Standard hat außerdem zur Folge, dass Rahmen und Gabel mehr Reifenfreiheit bekommen. Dadurch können Reifen im Plus-Format verbaut werden - also Pneus in einer Breite von 2,8 bis 3,0 Zoll. Auch die Felgen werden entsprechend breiter und wachsen auf 35mm oder 45mm an. Die dickeren Reifen können mit weniger Luftdruck gefahren werden (in der Regel reichen 0,7 bis 1,5 Bar vollkommen aus) und bringen deutlich mehr Grip mit sich. Außerdem bieten die voluminöseren Walzen ein Plus am Komfort, da sie wie eine zusätzliche Federung am Rad arbeiten. Einsteiger erfreuen sich so an einem Rad, das Fahrfehler leichter verzeiht. Versierte Fahrer haben durch die Plus-Bereifung die Möglichkeit ein strafferes Grund-Set-Up zu fahren, wodurch sie mehr Reserven für ruppiges Gelände einbehalten.

DIE QUAL DER WAHL

Aber für welche Laufradgröße soll man sich schlussendlich entschlie- ßen? Wie immer entscheidet der persönliche Geschmack. Während 29“ Laufräder nicht mehr aus dem Hardtail Bereich wegzudenken sind, scheiden sich beim Thema Fullies die Geister; besonders Touren-Fahrer schätzen den Komfort von 29 Zöllern, trotzdem möchten Trail-Surfer kaum auf die Agilität eines 650B Rades verzichten. Dank des neuen Boost-Standards muss man sich zumindest nicht mehr zwischen 29“ und 650B+ entscheiden. Da die 650B Bereifung im Plus Format den gleichen Umfang wie ihre Kollegen in 29“ haben, können in Boost-Fahrrädern beide Laufradsätze gefahren werden. So hat man praktisch zwei Bikes in Einem und kann die Fahreigenschaften nach Lust, Laune und Terrain beliebig anpassen.